Das Score-System - Ablauf und Regeln

Ablauf einer Begegnung

Alle Ligawettkämpfe der Bundesligen werden nach dem sogenannten Scoresystem ausgetragen. Welche Mannschaft am Ende der Begegnung die meisten Scorepunkte erturnt hat gewinnt. Aber was bedeutet das überhaupt und wie läuft ein solcher Wettkampf ab? 

 

Es treten jeweils 2 Mannschaften gegeneinander an. Die Heimmanschaft wird dabei "rot" und die Gastmannschaft "blau" angezeigt. Die Geräte werden in der Olympischen Reihenfolge beturnt. (Boden, Pauschenpferd, Ringe, Sprung, Barren und Reck).

 

Pro Gerät werden jeweils 4 Mann gegen Mann Duelle geturnt, also insgesamt 24. Welche Mannschaft am Boden beginnt entscheidet das Los. Der erste Turner startet also mit seiner Übung am Boden, welche von den Kampfrichtern bewertet wird. Nun kann die andere Mannschaft beginnen zu taktieren und eine passende Antwort auf die gezeigte Übung bringen. Diese beiden Wertungen bleiben solange unter Verschluss, bis das Endergebnis feststeht und die Scorepunkte angezeigt werden. Hier eine kurze Erklärung des weiteren Verlaufs, denn in jedem Gerät und nach jedem Gerät wechselt das Startrecht.

 

Beispiel:

Die kursiv geschriebenen Turner bzw. die kursiv geschriebene Mannschaft legt an diesem Gerät vor.

 

Boden
Exquisa Oberbayern vs. Gegner1

 

Stefan Miedl - vs. - Turner1

Bank Selmeczi - vs. - Turner2

 

(wechselndes Startrecht im Gerät)

 

Tassilo du Mesnil - vs. - Turner3

Felix Remuta - vs. - Turner4

 

Das bedeutet, dass nach den ersten beiden Duellen am Boden das Startrecht gewechselt hat und die Turner der anderen Mannschaft ihre Übungen vorlegen müssen. Am Pauschenpferd wird dann ebenfalls das Startrecht wechseln und die gegnerische Mannschaft eröffnet die ersten beiden Duelle. 

 

So läuft der komplette Wettkampf ab, aber wie setzen sich überhaupt die erturnten Punkte und Scorepunkte zusammen? Das ist oft für den Laien die größte Herausforderung. 

Regeln und Bewertung

Die Regelungen und Wertungsvorschriften stehen alle im Code de Pointage (CdP), welcher von der Fédération Internationale de Gymnastique (F.I.G.) herausgegeben wird. Dieser ist auch in unserem Download-Bereich zu finden. Wir werden das ganze aber etwas kürzer hier zusammenfassen. 

 

Jedes Endergebnis einer Übung besteht aus 2 Wertungen. Die D-Note steht für die gezeigte Schwierigkeit (Difficulty), die E-Note für die Haltungs- und Ausführungsnote (Execution).

 

Die D-Note:

Im CdP sind alle gültigen Wertteile in einer Tabelle von A - H aufgeführt. Je höher also der Buchstabe, desto schwieriger das Element. 

Ein A-Element ist 0,10 Punkte Wert, ein H-Element ist 0,80 Punkte wert. Pro Übung werden die 10 hochwertigsten Elemente addiert. 

 

Bei jedem Gerät werden diese Wertteile in verschiedene Elementgruppen unterteilt. Zum Beispiel am Boden gibt es 4 Elementgruppen. (Vorwärtsakrobatik, Rückwärtsakrobatik, Nichtakrobatisch und Abgang) Jede Elementgruppe, wenn Sie erfüllt wurde, gibt einen "Bonus" von 0,50 Punkten. Beim Abgang gibt es eine Sonderregel. Um die vollen 0,50 Punkte für die Gruppe zu erhalten muss mindestens ein D-Element gezeigt werden. Mit einem C-Teil bekommt man nur einen Bonus von 0,30 Punkten. Darunter gibt es keine Bonifikation.

 

Ein Beispiel:

Ein Turner zeigt 9 C-Elemente in 3 Gruppen und 1 D-Element als Abgang.

Die Wertteile: 9 x 0,30 Punkte = 2,70 Punkte + 1 x 0,40 Punkte = 3,10 Punkte 

Elementgruppen: 4 x 0,50 Punkte = 2,00 Punkte

Die Teile und Gruppen werden addiert, so hätte dieser Turner einen Schwierigkeitsgrad von 5,1 Punkten geturnt.

 

Die E-Note:

Bleiben wir kurz bei unserem Beispiel. Der Turner hat 10 Wertteile in seiner Übung gezeigt und erhält dafür die vollen 10 Punkte in der E-Note. Von diesem Wert werden sämtliche Haltungsfehler und Stürze abgezogen. Die 10 Punkte erhält jeder Turner, wenn er mindestens 8 Wertteile (7+Abgang) geturnt hat. Werden zu wenig Teile gezeigt, gibt es einen neutralen Abzug von der E-Note. Werden also nur 1 bis 2 Teile geturnt, erhält der Turner nur 2 Punkte von der E-Note, bei 3-4 teilen werden 4 Punkte vergeben und bei 5-6 werden immerhin 6 Punkte von der E-Note vergeben. 

 

Wenn wir nun unseren Turner von eben betrachten hat dieser eine Schwierigkeit von 5,1 Punkten und eine E-Note von 10 Punkten als Ausgangswert. Addiert kommen wir also auf 15,10 Punkte. Auf die gesamte Übung erhält unser Turner 2 Punkte Abzug vom E-Kampfgericht. Der Endwert beträgt somit 13,10 Punkte. 

Scorepunkte

Da wir jetzt wissen, wie sich der Endwert einer Übung zusammenstellt kommen wir zur Verteilung der Scorepunkte. 

Nach dem Duell werden die Endwerte der beiden Turner verglichen und die Differenz errechnet. Um also die höhe der Scorepunkte zu ermitteln gibt es eine kleine Tabelle:

 

von 0,00 bis 0,10 = 0 Scorepunkte

von 0,15 bis 0,25 = 1 Scorepunkt 

von 0,30 bis 0,50 = 2 Scorepunkte 

von 0,55 bis 1,00 = 3 Scorepunkte 

von 1,05 bis 2,00 = 4 Scorepunkte 

von 2,05 bis 6,00 = 5 Scorepunkte 

 ab 6,05 = 10 Scorepunkte 

 

Anhand eines Beispiels ist es gut zu erkennen. 

 

Unser Turner hat mit 13,10 Punkten eine gute Leistung gezeigt. Sein Gegner hatte etwas Pech und bekommt 12,00 Punkte. Wir haben eine Differenz von 1,10 Punkten. Das wären gute 4 Scorepunkte auf unser Konto. 

 

So läuft der gesamte Wettkampf ab, bis am Ende ein Sieger feststeht. Sehr selten kommt es aber auch vor, dass beide Mannschaften die gleiche Anzahl an Scorepunkten erturnt hat, dann gibt es ein Unentschieden.